Musik und Klima

Die Ohren öffnen.

Zwischentöne: Interdisziplinäre Projekte und Kompositionen

Die globale Klima- und Umweltkrise erfordert ein neues Denken und eine neue Weltwahrnehmung. Im neuen Bericht des Club of Rome fordern Ernst Ulrich von Weizsäcker und seine Mitautor*innen deshalb eine “neue Aufklärung”. Wir müssen lernen und verinnerlichen, dass unser Handeln sich massiv auf ferne Regionen und künftige Generationen auswirkt. Und wir müssen endlich verstehen, dass unser Planet kein Beutegut, keine Müllhalde und kein Feind ist, sondern die einzige, gemeinsame Lebensgrundlage für uns alle – Pflanzen, Tieren und Menschen.

Musik kann helfen, abstrakte wissenschaftliche Themen zu veranschaulichen und theoretische Zusammenhänge fühlbar zu machen. Auf diese Weise kann sie dazu beitragen, die Art und Weise zu verändern, wie wir die Welt betrachten. Dafür braucht es neue Formen und einen intensiven interdisziplinären Austausch. Einige Beispiele:

Klangkunst als Veranschaulichung

Die interdisziplinären Gattung „Sonifikation“ ist in einem fließenden Bereich zwischen Wissenschaftsvermittlung und Kunst angesiedelt. Ähnlich wie die Visualisierung durch Schaubilder, Landkarten oder Graphen dient sie der Veranschaulichung sinnlich nicht wahrnehmbarer Veränderungsprozesse und Naturphänomene. Gleichzeitig gewinnt sie dieser funktionalen Zweckbestimmung ganz neue ästhetische Dimensionen ab.

ClimateMusic Project – Interdisziplinäre Projekte zur Verklanglichung von Messdaten (1).

Climate Symphony – Interdisziplinäre Projekte zur Verklanglichung von Messdaten (2).

For Seasons – Vivaldis Vier Jahreszeiten in einer beklemmend aktualisierten Version des NDR Elbphilharmonie Orchesters.

Gletschermusik – Gletscherschmelze, hörbar gemacht (1).

Jacob Kirkegaard: melt – Gletscherschmelze, hörbar gemacht (2).

Marcus Maeder – Akustische Ökologie.

Soundkunst und Klimawandel – Radiofeature des Schweizer Rundfunks

Musiktheater, Performance, Oratorium

In den 1980er Jahren holten die Komponisten Mauricio Kagel und Gerhard Müller-Hornbach das Thema “Umweltzerstörung” erstmals mit zwei großdimensionierten Werken in den klassischen Konzertsaal bzw. auf die Musiktheaterbühne. Auffällig wenige Komponist*innen sind ihrem Beispiel gefolgt.

Die Erschöpfung der Welt von Mauricio Kagel.

Wir sind ein Teil der Erde von Gerhard Müller-Hornbach.

Dies Irae von Patricia Kopatchinskaja.

Sun & Sea (Marina) von Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė (Litauen)

Funktionale Veranstaltungsdramaturgie

Neben der programmatischen Bezugnahme auf musikalisch-künstlerischer Ebene besteht ein zweiter Ansatz darin, die Auseinandersetzung mit der Nachhaltigkeitsthematik auf die Ebene einer funktionalen Veranstaltungsdramaturgie zu verlagern.

ClimateKeys – Musik als Rahmung für klimawissenschaftliche Vorträge.

Orchester des Wandels: Klimakonzerte – Musik als Appell und Benefizaktionen.

Interdisziplinäre “Gesamtkunstwerke”

Es entspricht sowohl der Komplexität des Themas als auch dem allgemeinen Trend zur formalen Auflockerung, dass sich „programmatische“ und „dramaturgische“ Vorgehensweisen nicht immer scharf voneinander trennen lassen. In manchen Musikprojekten zur Umwelt- und Klimakrise sind sind dramaturgisch-formale, diskursive und künstlerische Elemente eng miteinander verschränkt.

Amazonas – Ein Projekt des ZKM Karlsruhe (Peter Weibel u.a.).

Landscapes and Bodies – Ein Projekt des Schauspiels Leipzig.

Mühlenbecker Klanglandschaften – Ein Festival für zeitgenössische Musik und unmittelbares Naturerleben. Konzeption: Gisela Nauck und Uli Aumüller.

Lange Nacht des Klimas – Kulturfabrik Moabit